Flingern

Dachmarke Düsseldorf:

Politik muss das auch widerspiegeln

„Das Bemühen der Stadtspitze um eine Dachmarke erinnert einen irgendwie
an Schilda“, sagt Markus Raub, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. „Man
will unbedingt das Image der Schicki-Micki-Stadt loswerden und die
freundlichen Seiten Düsseldorfs in den Vordergrund stellen. Zugleich
macht man aber eine Politik, die das konterkariert.“

Raub verweist hierbei vor allem auf die Wohnungspolitik von CDU und
FDP: „Mit immer mehr Luxuswohnungen und Prestigebauten und zu wenig
preiswerten Wohnungen stützt man genau das Image, was man nicht haben
will und zerstört vorhandene Strukturen. Die Stadt tut nichts gegen die
um sich greifende Gentrifizierung zum Beispiel in Flingern oder
Oberbilk. Doch die gewachsenen Strukturen in den Stadtteilen, die
Menschen die dort leben und arbeiten, sind das, was den Charme
Düsseldorfs ausmacht. Auch so eine Geschichte wie die teure Umsetzung
des Aussichtsturms am Kö-Bogen trägt doch eher zum Schicki-Micki-Image
bei.“

Die SPD-Ratsfraktion hatte sich vor kurzem aus dem politischen Beirat
zur Dachmarke zurückgezogen. Hauptkritikpunkt waren die hohe Kosten und
die unklaren Entscheidungsstrukturen.

„In der Kritik an den Kosten sehen wir uns durch den Haushaltsentwurf
2013 bestätigt“, sagt Raub. „Wenn Kürzungen bei Schulen oder im
Sozialbereich geplant werden, hat die Entwicklung einer Dachmarke keine
Priorität.“

Diskussion 1

  1. Piet van Ackeren • 25. Oktober 2012 • 14:48

    OB Elbers lässt die Flingeraner auf dem Trockenen sitzen! Das erzeugt üble Misstöne.
    So schön es ja auch sein mag; – der Wassermusik von Händel zu lauschen ist kein Ersatz für den rapiden Abbau der Möglichkeit, in Flingern schwimmen zu gehen. Vielmehr lässt die Symphonie von vielen kleinen Schritten der unter der Verantwortung des OB stehenden Verwaltung erkennen, dass der Klangkörper der Leistungen für die durchschnittlichen Bürgerinnen und Bürger in Flingern dissonant, teilweise sogar kakophonisch daher kommt. Zu dem von der Ratsmehrheit gewollten, allenfalls nur noch knapp mittelfristigen Schicksal des Bades am Flinger Broich gesellt sich nun eine Maßnahme mit ganz besonderer Pikanterie: Einem in keiner ordentlichen Partitur zu findenden Paukenschlag gleich, wird nun der gerade „für das Publikum“ renovierte Düsselstrand weitgehend der Nutzung durch die Bürgerinnen und Bürger entzogen. Durchschnittlich bis 15:00 Uhr wochentäglich bleibt das Bad dem Schwimmunterricht vorbehalten. Das entspricht zwar dem Solopart in einem Konzert, fügt sich aber nun gar nicht ins harmonische Ganze. Klar: Unsere Schülerinnen und Schüler sollen, ja müssen lernen zu schwimmen. Die steigende Anzahl von Schwimmunkundigen unter ihnen ist erschreckend und steigt von Jahr zu Jahr. Sie sollen auch nicht in irgendeinem abgelegenen Tümpel diese lebenserhaltende Fähigkeit erwerben, und auch das Aufsichtspersonal muss einen Überblick über die Jungs und Mädels haben können.

    Indes: Warum hat darüber niemand vorher mit uns hier in Flingern gesprochen? Haben die Verantwortlichen eine erneute Debatte über den Flinger Broich gescheut? Sollte der Mantel des Schweigens, ein totales Pianissimo, über das Thema gelegt werden?

    Wenn ja, dann sind es Feiglinge, die da an berechtigten Interessen der Bürgerschaft vorbei entscheiden. Schließlich ist es ja kein Auswuchs „spätrömischer Dekandenz“, wenn Bade- und Wasserfreizeit-Einrichtungen gegen gutes Geld zur Verfügung gestellt werden. Sie dienen ja nicht mehr wie früher der Hygiene, und auch die Volksgesundheit ist nicht das heute leitende Kriterium für derartige Einrichtungen. Sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen, einen Aufenthaltsort für jene, die sich Urlaub anderswo nicht leisten können, bereit zu stellen und natürlich auch öffentliche Sportstätte zu sein, das ist der Zweck, der nicht alle, aber die notwendigen Mittel heiligt. Und notwendig ist sowohl der Flinger Broich, als auch der Düsselstrand. Flingern und sein Einzugsbereich ist nicht die Gegend mit privaten Pools. Nein, die Gegend ist ganz normal. Es soll nicht verschwiegen werden, dass sich hier an einigen Stellen etwas tut, positiv, in Richtung der Verbesserung der Lebensqualität. Es ist daher kontraproduktiv diesem Entwicklungsziel gegenüber, nun drastische Einschnitte in andere Belange die¬ser Lebensqualität vorzunehmen. Gas gaben und gleichzeitig bremsen, das ist ein Anfängerfehler, milde betrachtet.

    Die hektischen Bewegungen im kommunalen Haushalt können natürlich auch anders interpretiert werden. Es wird Geld gebraucht, um die Kostenüberschreitungen des neuen „Prachtstücks“ der Stadt, des Kö-Bogens, in den Griff zu bekommen. Damit kann man jede Harmonie zerstören. Um im Bild zu bleiben: Lass‘ das Blech kräftig auftrumpfen, dann merkt keiner, dass die Streicher eingespart wurden. Was bei der regionalen Entwicklung bisweilen sinnvoll sein kann, nämlich sogenannte „Leuchtturm¬Projekte“ bevorzugt zu fördern, das ist für die Vision der Weiterentwicklung einer Stadt wie Düsseldorf nur dann nicht falsch, wenn Geld für diese und die Leuchttürme vorhanden ist.

    Es gibt auch noch eine zynische Variante des Vorgehens in dieser Frage: Die Entwicklung der Mieten und die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen schießen in nachgerade elitäre Höhen. Daher können es sich demnächst nur solche Mitmenschen leisten, hier zu wohnen, die in Geld schwimmen. Wozu dann noch Schwimmbäder?

    Bildlich also: Neue Partitur, neuer Dirigent oder neue Dirigentin und, bitte, keine nur auf ihre Höhe¬punkte reduzierte Symphonie!